Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht!“ Hebräer 11,1 (Monatsspruch Mai)
 

Liebe Gemeindeglieder,

 

Ute Waffenschmidt-Lengfeste Zuversicht, Hoffnung, Nichtzweifeln??? Nicht so leicht, wenn gerade eine Krankheit das Leben aus dem Rhythmus bringt und Angst macht. Nicht so leicht, wenn gerade die Aussicht auf gute Veränderungen sich zerschlagen hat. Nicht so leicht, wenn wir wahrnehmen, was gerade in unserer Welt geschieht – und auch in unserem Land…
Wir hoffen als Christinnen und Christen darauf, dass Gott da ist, dass Gott begleitet in den guten Zeiten, die wir glücklich leben, und auch in Zeiten, in denen wir durch finstere Täler gehen, in denen wir den Weg nicht sehen… Wir hoffen als Christinnen und Christen, dass es Auf(er)stehen gibt gegen Todeswirklichkeiten und in neu geschenktes Leben hinein.

Wir hoffen als Christinnen und Christen, dass den Barmherzigen und Sanftmütigen die Erde gehören wird und dass die, die für Frieden und Gerechtigkeit eintreten, Zukunft haben werden …

Wir hoffen… und denken manchmal in diesen Tagen vielleicht auch: Was ist dran an unserem Hoffen? Wie realistisch ist unsere Zuversicht denn? Lehren uns die Ereignisse unserer Zeit nicht, dass es immer so weiter geht, dass die Menschen nicht wirklich lernen und umkehren? In der letzten Woche war der Gedenktag an die Schoa, an die akribisch geplante und durchgeführte Vernichtung von 6.000.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern. Und schon wieder gibt es rechte Parolen und Antisemitismus und Hass und Gewalt in unserem Land, und rechte Regierungen werden gewählt in Europa… Und das Völkerrecht wird ausgehebelt und Vereinbarungen und Kontrollmechanismen, die nach dem 2. Weltkrieg mit gutem Grund von der Weltgemeinschaft eingeführt wurden, spielen keine Rolle mehr… Wir hoffen… und wir fragen uns, ob unsere Hoffnung stand hält.

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht…“ Die Menschen, die diesen Satz zuerst lesen, hatten darauf vertraut, dass der Messias schnell wiederkommt und das Reich Gotte aufrichtet in der ganzen Welt. Sie warten verzweifelt. Und der Verfasser des Briefes ermahnt die Gemeinden, nur ja die Hoffnung nicht aufzugeben. Er weiß, dass es nahe liegt, den Glauben über Bord zu werfen, wenn man nichts sieht von dem, was man hofft! „Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht … und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht!“ Der Glaube ist also verwegen! Der Glaube orientiert sich an Gottes Verheißung und nicht an dem, was man sieht… Der Glaube erinnert sich an Erfahrungen, die Menschen vor uns gemacht haben. Biographien, die in keiner Weise glatt waren – aber Biographien, die erzählen, wie Gott rettet, befreit und immer wieder Leben schafft – sogar durch die finstere Täler hindurch.

Ein Kämpfer für eine gerechte und friedliche Welt, der in unserer Gemeinde wohnt, sagte mir kürzlich: „Wir brauchen die Hoffnung, auch wenn wir nichts zum Hoffen sehen, um zu tun, was getan werden muss!“ Der Petrus-Brief sagt: „Werft euer Vertrauen nicht weg! Es hat eine große Belohnung – es lohnt sich zu vertrauen!“

Solch eine feste Zuversicht wünscht Ihnen

 

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng